EM News

Nach einem dreitägigen, sehr intensiven Trainingscamp im World Cycling Center in Aigle, flog die Schweizer Delegation mit neun U23-Fahrern ( 3 womens and 6 mens ) und mir als einziger Junior von Zürich-Kloten nach Warschau. Dort angekommen, nisteten wir uns in unserem Hotel ein, das zum Glück etwas abseits war, sodass wir eigentlich immer unsere Ruhe hatten, was ja an so einem wichtigen Anlass sehr wichtig ist. Schon nach den ersten paar Trainingsmetern auf der nigelnagelneuen 250m-Holzpiste war ich sehr begeistert, denn die Bahn rollte sehr gut. Ich fuhr drei Tage vor meinem ersten Wettkampf noch eine richtige Vorbelastung und erholte mich nachher mit Hilfe unseres Physiotherapeuten Dan sehr gut und ich war bereit, um zu zeigen, was ich drauf habe.


3000m Einzelverfolgung

Da diese Bahn in Pruszkow nicht gerade die langsamste ist und meine Form stimmte, probierte ich in der Verfolgung den Schweizerrekord von Gregory Devaud aus dem Jahre 2002 anzugreifen. Ich startete gut in das Rennen, kam gut in Schwung. Nach den ersten drei Runden nahm ich dann ein bisschen zurück, was sich später als falsche Entscheidung herausstellte. Auf dem letzten Kilometer konnte ich dann noch richtig aufdrehen und ich war gespannt auf die Zeit… sechsbeste Abschnittszeit und lausige 31 Hundertstelsekunden ( ca. 3m ) über dem Schweizerrekord, jedoch trotzdem mit einer sehr guten Zeit von 3min26:496. Diese Zeit reichte am Schluss für den guten neunten Schlussrang, sogar vor dem einheimischen Welt - und Europameister Strasse und Zeitfahrspezialisten Michal Kwiatkowski.

Punktefahren

Um im Punktefahren ins Finale zu kommen, muss man zuerst die Qualifikation überstehen. Qualifikationen sind meistens sehr kuriose Rennen, wo keiner einen Tramp zuviel machen will, um sich so gut wie möglich fürs Finale zu schonen. Da kann es auch mal vorkommen, dass ein Favorit den Finaleinzug verpasst, weil er einfach zu passiv fährt. Ich wollte nicht, dass dies bei mir auch der Fall war. Darum ging ich auf Nummer sicher und fuhr eigentlich bei allen Attacken mit, jedoch nicht ganz vorne, sammelte jedoch 6 Punkte und zog als Fünfter sicher ins Finale mit 24 Fahrern ein .
Im Finalrennen über 100 Runden mit insgesamt 10 Punktewertungen wurde von Anfang an ziemlich schnell gefahren. Ich hielt mich zurück, denn ich dachte, dass das Rennen lang werden würde. Ich positionierte mich erst für den dritten Sprint und gab dann Vollgas, sodass ich die 5 Punkte für einen Wertungssieg souverän einsackte. Anschliessend sprintete ich noch ein paar mal mit, konnte jedoch nur noch einen Punkt ergattern. So setzte ich alles auf die Schlusswertung und attackierte etwa 2 Runden vor Schluss und zog souverän durch. Dass hiess dann, dass ich 11 Punkte auf dem Konto hatte und mich somit auf dem "undankbaren" vierten Rang klassierte. Ich war jedoch mehr als zufrieden mit meiner Leistung, denn das Punktefahren ist nicht gerade meine Lieblingsdisziplin.
Hätte der Irländer Sam Bennett nicht als einziger früh eine Runde herausgefahren zwischen der 5en und 8en Runde, hätte ich die Bronzemedaille gewonnen.

Scratch - Race

Für das Scratch-Race hatte ich mir sehr viel vorgenommen und ich wusste auch vom Punktefahren her, dass ich ein schneller Mann war. Jedoch musste man auch für dieses Rennen die Qualifikation überstehen. Auch dieses Mal ging ich wieder auf Nummer sicher und fuhr jede ernstzunehmende Attacke mit. Am Schluss des Rennens lag ich auf Position acht und war natürlich qualifiziert für das Finale. Sofort nach der Qualifikation ging ich zurück ins Hotel, liess mir von unserem Physio-König Dan nochmals die Beine lockern. Dann legte ich mich in mein Bett, um mich so gut wie möglich zu erholen.
Das Finale startete abends um 20:13 Uhr und führte über 60 Runden, was einer Distanz von 15km entsprach. Ich war ziemlich nervös, als ich am Start stand, jedoch voller Selbstvertrauen und wusste, dass ich etwas unternehmen wollte. Ich pokerte eigentlich das ganze Rennen und fuhr nicht jede Attacke mit, wartete immer, bis andere das Loch zufuhren. Dies brauchte sehr, sehr viel Nerven, aber ich sparte damit enorm Kräfte. Als es dann auf die letzten Runden zuging positionierte ich mich und startete viereinhalb Runden vor Schluss eine Attacke aus der " obersten Schublade". Ich mobilisierte alle meine Kräfte und fuhr um mein Leben. Ich hatte schnell ein grosses Loch zum Peloton und holte Fahrer um Fahrer ein, die noch vor dem Feld lagen ( total vier ). Etwas mehr als eine Runde vor Schluss war ich dann alleine an der Spitze und wusste, dass es reichen würde, wenn ich nicht einging. Meine Trainer und der Physio am Pistenrand unterstützten mich mit Freudeschreien und ich kam mit etwa 20 Meter Vorsprung auf die Zielgerade. Ich konnte es kaum glauben, aber ich war Europameister!!!
Unglaublich, welche Emotionen da freigesetzt werden, einfach unbeschreiblich schön... Die Belohnung für das harte Training, für die vielen Opfer, die ich hingebe für meine grösste Leidenschaft. Anschliessend genoss ich die Siegerehrung in vollen Zügen. Ich liess mich mit Genuss ins blaue EM - Trikot einkleiden, die Goldmedaille umhängen und die Schweizerhymne vorspielen (sang leise mit) , während die Schweizerfahne neben den zwei Russenfahnen gehisst wurde.. einfach unvergesslich schön!
Ich möchte hier noch an alle, die zu diesem Erfolg beigetragen haben, ein herzliches Dankeschön aussprechen. Allen voran meinen Trainern Daniel Gisiger und Markus Nagel und dem besten Physio der Welt, Dan Pöschik.
Ich freue mich auf weitere Glanztaten...


Ich möchte hier noch allen, die zu diesem Erfolg beigetragen, ein herzliches Dankeschön aussprechen. Allen voran meinen Trainern Daniel Gisiger und Markus Nagel und dem besten Physio der Welt, Dan Pöschik. 
Ich freue mich auf weitere Glanztaten...